Iris Schwab:
"Beziehungen" unter diesen Umständen werden noch öfter als nicht problematisch bewertet, obwohl hier ebenfalls ein Alters- und Machtgefälle vorliegt und es sich ebenfalls um eine Leiter-Grüppling-Dissonanz handelt.
| Veranstaltung: | 94. Bundesversammlung 2026 - Anträge |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Sebastian Becker (Bundesvorsitzender), Annkathrin Meyer (Bundesvorsitzende), Maximilian Strozyk (Bundeskurat), Cara-Milena Zaremba (Bundesstufenkuratin Pfadistufe), Hannah Rieger (Beauftragte Internationales), Jana Wendelken (Diözesanvorsitzende DV Fulda), Miriam Noske (Referentin Kinder- & Jugendschutz) |
| Status: | Modifiziert |
| Eingereicht: | 22.04.2026, 22:51 |
Diese Position der 94. Bundesversammlung 2026 der Deutschen
Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg (DPSG) soll als verbindliche Grundlage dem
weiteren Aufarbeitungsprozess im Verband dienen.
Als Bundesverband und Diözesanverbände verpflichten wir uns, unser zukünftiges
Handeln in der DPSG und im Aufarbeitungsprozess anhand dieser Grundlage sowie
anhand der im Februar 2026 veröffentlichten Studie zur Aufarbeitung von
sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG auszurichten. Wir
verpflichten uns, uns und unser Handeln anhand dieser Positionierung sowie
anhand der Studie regelmäßig einerseits selbstkritisch zu reflektieren und
andererseits von außen kritisch bewerten zu lassen.
Als Bundesverband und Diözesanverbände verpflichten wir uns, unser zukünftiges Handeln in der DPSG und im Aufarbeitungsprozess anhand dieser Grundlage sowie anhand der im Februar 2026 veröffentlichten Studie zur Aufarbeitung von sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG auszurichten. Wir verpflichten uns, uns und unser Handeln anhand dieser Positionierung sowie anhand der Studie regelmäßig einerseits selbstkritisch zu reflektieren und andererseits von außen kritisch bewerten zu lassen.
Als Bundesversammlung unterstützen wir den Bundesvorstand und den Bundesverband,
die den weiteren Aufarbeitungsprozess verantwortlich koordinieren und steuern.
Die Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg blickt auf einen schmerzhaften,
aber notwendigen Prozess der Selbstreflexion.
Die Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg blickt auf einen schmerzhaften, aber notwendigen Prozess der Selbstreflexion.
Mit der Veröffentlichung des unabhängigen Forschungsberichts zur Aufarbeitung
sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG wurde sichtbar, was viele
Betroffene schon lange wussten: Auch in der DPSG wurden und werden Menschen
Betroffene von sexualisierter oder spiritueller Gewalt. Kinder, Jugendliche und
Erwachsene haben Leid erfahren, weil Täter (und Täterinnen) ihre Macht
missbraucht haben – und weil andere geschwiegen, weggesehen oder nicht
ausreichend geschützt haben.
Mit der Veröffentlichung des unabhängigen Forschungsberichts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG wurde sichtbar, was viele Betroffene schon lange wussten: Auch in der DPSG wurden und werden Menschen Betroffene von sexualisierter oder spiritueller Gewalt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben Leid erfahren, weil Täter (und Täterinnen)Täter*innne ihre Macht missbraucht haben – und weil andere geschwiegen, weggesehen oder nicht ausreichend geschützt haben.
Mit der Veröffentlichung des unabhängigen Forschungsberichts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG wurde sichtbar, was viele Betroffene schon lange wussten: Auch in der DPSG wurden und werden Menschen Betroffene von sexualisierter oder spiritueller Gewalt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben Leid erfahren, weil Täter (und Täterinnen) ihre Macht missbraucht haben – und weil andere geschwiegen, weggesehen oder nicht ausreichend geschützt haben.In der DPSG wurden und werden Menschen Betroffene von sexualisierter oder spiritueller Gewalt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben Leid erfahren, weil Täter (und Täterinnen) ihre Macht missbraucht haben – und weil andere geschwiegen, weggesehen oder nicht ausreichend geschützt haben. Mit der Veröffentlichung des unabhängigen Forschungsberichts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG wurde so sichtbar, was Betroffene schon lange wussten.
Wir erkennen dieses Leid und dieses Unrecht an und hören auf die Stimmen der
Betroffenen. Das, was geschehen ist, lässt sich nicht ungeschehen machen. Wir
können, müssen und wollen dafür sorgen, dass sich die Strukturen, Haltungen und
Kulturen ändern, die solches Leid ermöglicht oder begünstigt haben. Pfadfinden
steht auch für Verantwortung, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Diese Werte
verpflichten uns, Aufarbeitung als Wesensmerkmal verantwortungsvoller
Verbandskultur zu verstehen. Sie ist Ausdruck unseres Versprechens, für die
Würde des Menschen einzustehen.
Der Forschungsbericht zeigt deutlich, sexualisierte und spirituelle Gewalt waren
und sind Teil der Realität in der DPSG. Betroffene sind dabei vor allem junge
Menschen – die, die es eigentlich im Besonderen zu schützen gilt. Gewalt geschah
und geschieht überall im pfadfinderischen Leben und wurde durch strukturelle
Bedingungen, Machtverhältnisse, Gruppenmechanismen, Kulturen, Rituale und
Traditionen über Jahrzehnte begünstigt.
Gemeinsam tragen auch wir Verantwortung für dieses Leid Betroffener und dafür,
dass…
Sexualisierte Gewalt in der DPSG „passiert“ nicht zufällig. Sie ist Ausdruck
einer gewachsenen strukturellen Risikolage. Die DPSG wirkt nach außen stabil,
bietet nach innen jedoch bislang keinen verlässlichen Schutzraum. Die
Selbstbezeichnung „Erziehungsverband“ weckt pädagogisch professionelle
Erwartungen, die wir strukturell bisweilen jedoch nicht einlösen können.
Es gab sexualisierte Gewalt in der DPSG und es gibt sie. Ohne grundlegenden
Umbau wird es auch künftig sexualisierte Gewalt in der DPSG geben.
Es gab sexualisierte Gewalt in der DPSG und es gibt sie. Ohne grundlegenden Umbau wird es auch künftig sexualisierte Gewalt in der DPSG geben.
Es gab sexualisierte Gewalt in der DPSG und es gibt sie. Ohne grundlegendenDeshalb ist ein grundlegender Umbau wird es auch künftig sexualisierte Gewalt in der DPSG gebennotwendig.
Insbesondere diese Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt für einen
tiefgreifenden strukturellen und kulturellen Wandel.
Insbesondere diese Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt für einen tiefgreifenden strukturellen und kulturellen Wandel.
Wir danken denen, die hingesehen haben
Wir wissen, dass unzählige Leiter*innen, StaVos und DiVos institutionelle Schutzkonzepte erarbeitet haben, beachten und im pfadfinderischen Alltag auch dann mit Leben füllen, wenn dies Prozesse umständlicher macht und Kritik erfährt. Die Bundesversammlung dankt ausdrücklich allen Leiter*innen und anderen Personen in der DPSG, die sich für den Schutz von Gefährdeten einsetzen, die problematische Traditionen schon lange und gegen Widerstände abgeschafft haben, deren Gruppen und Stämme schon jetzt sichere Orte sind und deren Wachsamkeit dennoch nicht nachlässt. Auf ihre Erfahrungen und Expertisen muss für die zukünftigen Prozesse zurückgegriffen werden. Denn ohne sie geht es nicht!
Wir bekennen uns zu einem umfassenden Aufarbeitungsverständnis, das vier
Dimensionen umfasst:
Wir wollen und werden den Kinder- und Jugendschutz und dieAufarbeitung in der
DPSG betroffenengerechter gestalten. Dazu werden wir…
Wir wollen und werdenuns undunser Leitungshandeln in der DPSG regelmäßig
kritisch reflektierenund dort anpassen, wo es Machtmissbrauch, insbesondere
sexualisierte und spirituelle Gewalt, begünstigt. Dazu werden wir…
Wir wollen und werden dieverbandlichen Schutzkonzepte mit einheitlichen und
verlässlichen Standards auf allen Ebenen ausbauen und weiterentwickeln. Dazu
werden wir…
Wir wollen und werden uns für strukturelle Reformen im Bereich Kinder- und
Jugendschutz in katholischer Kirche und Jugendpastoral weiter engagieren. Dazu
werden wir…
Aufarbeitung ist kein abgeschlossener Prozess. Sie ist ein fortwährender
Auftrag, der die DPSG maßgeblich prägen wird. Nur durch ehrliche Selbstkritik,
konsequente Umsetzung und aktive Beteiligung aller Ebenen kann neues Vertrauen
wachsen.
Aufarbeitung ist unbequem. Sie ist jedoch notwendig, um einen möglichst sicheren
Raum für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu schaffen und die
Verantwortung für Vergangenes und Zukünftiges zu übernehmen – insbesondere in
Verantwortlichkeit gegenüber den Betroffenen.
Wir danken allen Betroffenen, die diesen Weg möglich machen, und allen
Engagierten, die sich dieser Aufgabe stellen. Sie erinnern uns daran, was
Aufarbeitung im Kern ausmacht: ehrlich hinzusehen, solidarisch zu handeln und
Verantwortung zu übernehmen.
Dieser Antrag ist Ergebnis eines langjährigen und intensiven Prozesses der Aufarbeitung und Selbstreflexion, der mit dem Beschluss der institutionellen Aufarbeitung von Machtmissbrauch in der DPSG durch die 87. Bundesversammlung 2020 begann. Seit Ende 2021 begleitet ein Beirat diese Aufarbeitung, der durch die 89. Bundesversammlung 2022 noch einmal per Beschluss legitimiert und beauftragt wurde. Zentrale Aufgabe des Bundesverbandes und des Beirats war zu diesem Zeitpunkt bis heute die Suche und Auswahl eines Forschungsteams inkl. Forschungsdesign, das sexualisierte und spirituelle Gewalt in der DPSG seit ihrer Gründung wissenschaftlich untersucht. Schließlich wurde 2023 ein Forschungsteam aus den Universitäten Marburg und Gießen ausgewählt und im weiteren Laufe des Jahres mit der Forschungsarbeit im Rahmen eines Kooperationsvertrages beauftragt. Im Frühjahr 2024 konnte das Forschungsteam und das Forschungsdesign bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden und die Forschungsarbeit konnte beginnen. Im Februar 2026 endete die Forschungsarbeit schließlich und im Rahmen einer Pressekonferenz wurde die umfangreiche und unabhängige Studie zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG durch die Forschenden der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Der Bundesvorstand hat dabei ein erstes ausführliches Statement gegeben, dass die Haltung und Ernsthaftigkeit des Bundesvorstandes in Bezug auf die Ergebnisse, vor allem aber die Anerkennung des Leides, zum zentralen Ziel hatte. Ein erster wichtiger Meilensteil im Aufarbeitungsprozess ist damit erreicht.
Bei der Anerkennung des Leids und der Sensibilisierung für die Ergebnisse der Studie allein darf es aber nicht bleiben. Mit dieser Positionierung wollen wir eine zentrale Grundlage für den weiteren institutionellen Aufarbeitungsprozess in der DPSG schaffen, an der sich die Arbeitsgruppen und Gremien, die sich mit der konkreten Gestaltung und Begleitung der weiteren Aufarbeitungsarbeit befassen werden, orientieren sollen. Wie diese Gruppen aussehen sollen und welche Aufgaben und Rollen diese haben sollen, hat der Bundesvorstand nach Beratung durch Bundesleitung und Aufarbeitungsbeirat und unter Hinzuziehung externer Fachexpertise von inmedio (Institut für Mediation, Beratung und Entwicklung) ausführlich erarbeitet. Konkret soll ein Aufarbeitungsteam als steuernde, strategische und den Prozess verantwortende Gruppe sowie ein neuer Aufarbeitungsbeirat als kontrollierende, den Prozess unabhängig und kritisch begleitende Gruppe eingerichtet werden. Letztere wird den bisherigen Beirat ersetzen. Bis zur 94. Bundesversammlung 2026 sollen erste Schritte zur Ausschreibung und Besetzung dieser Gruppen durch den Bundesvorstand erfolgt sein.
Das Kommentieren ist möglich: bis 07.06.2026, 13:30